Wie bewirbt man sich als WissenschaftlerIn in der Schweiz
Maths and Stats: www.math-jobs.com,
Physics and Engineering: www.tesla-jobs.com,
Computer Science: www.turing-jobs.com,
Life Science, Medicine and Chemistry: www.nobel-jobs.com
- Buchempfehlungen: Die folgenden beiden Bücher werden immer wieder empfohlen. Ich habe diese nie selber gelesen und lehne jede Verantwortung ab.
- Social Media und Bewerbung: schauen Sie bitte diesen Kurzfilm an!
- Vorbemerkung: In unterem Text heisst "WissenschaftlerIn" immer WissenschaftlerInnen aus den Gebieten Mathematik, Statistik, Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Computer- und
Ingenieurwissenschaften.
Um herauszufinden, welchen Beruf man als WissenschaftlerIn ausüben will, dienen Praktika, Konferenzen und Gespräche mit älteren
KollegInnen, welche bereits in diesem Beruf arbeiten (für MathematikerInnen empfehlen wir noch
diese Website mit der
Auflistung und kurzen Besprechung der Arbeitsfelder). Je nachdem kann dies ein sehr schwieriger Prozess sein.
Relativierend darf gesagt werden, dass man den ersten Job nicht sein Leben lang
ausüben muss. Die eigentliche Stellensuche besteht danach aus 3 Stufen:
- Stelle finden
- Stelle erhalten
- Stelle behalten
1. Stelle finden
Die erste Stufe stellt für WissenschaftlerInnen in der Schweiz kein Problem mehr dar. Mit www.math-jobs.ch (Math und Stat),
www.tesla-jobs.ch (Physics and Engineering), www.turing-jobs.ch (Computer Science) und
www.nobel-jobs.ch (Life Science, Medicine and Chemistry) decken wir in der Schweiz den
gesamten Arbeitsmarkt für Science und Technologie ab (für die Stellensuche im Ausland
starten Sie am besten mit den internationalen Börsen www.math-jobs.com, www.tesla-jobs.com,
www.turing-jobs.com und www.nobel-jobs.com). Es ist
unser erklärtes Ziel, dass alle öffentlich in der Schweiz ausgeschriebenen Stellen
für
WissenschaftlerInnen auch bei uns ausgeschrieben werden. Bei uns finden Sie
also alle Stellen. Am besten tragen Sie sich etwa 1 bis 2 Jahre vor
Studienabschluss oder bei sich anbahnendem Stellenwechsel auf den Sie interessierenden
Mailinglisten ein. Eine sinnvolle
Ergänzung dazu ist, dass Sie alle Inserate in einem Ordner aufbewahren, falls Sie jetzt schon
wissen, dass Sie innert 1 Jahr eine Stelle suchen müssen. Man kennt dann nicht nur die Firmen, sondern
auch die richtigen Ansprechpartner. Diese suchen unter Umständen auch nach einem Jahr noch
Personen mit geeignetem Profil, sodass sich eine kurze Kontaktaufnahme durchaus lohnen kann -
selbst wenn die Firma momentan keine Stellen ausgeschrieben hat.
Worauf ist bei der Stellensuche zu achten?
- Unseres Erachtens sollten Prognosen über Zukunftsbranchen mit Vorsicht genossen
werden. Auch unsere Einschätzung der Zukunft ist nur unsere begründete
Meinung. Hingegen sollte man sich bei grossen Konzernen doch darum bemühen, festzustellen,
ob die Firma überhaupt selber an ihre Zukunftschancen glaubt. Indikatoren sind Ausgaben in
Forschung und Entwicklung, Deklarationen des Top-Managements.
- Jede(r) muss sich selber die Frage stellen, ob er/sie den Weg einer Karriere (und wie weit)
beschreiten möchte und auf wieviel man dabei zu verzichten bereit ist. Falls man eine
mehr oder weniger steile Karriere anstrebt (oder zumindest diese Möglichkeit offen lassen
möchte), wird von Personalverantwortlichen häufig folgende Sicht vertreten:
- Man sollte in einer grossen Firma beginnen
- Man sollte sich zuerst fachlich spezialisieren und dort Kompetenz erwerben
- Danach folgt ein Übergang weg von der fachlichen Spezialisierung über
Teilprojektleitung zur Projektleitung hin zu Verantwortung für ganze Bereiche des
Unternehmens
- Erst danach sollte ein Wechsel in ein kleineres Unternehmen in Betracht gezogen werden
Dies ist das "Rezept" für eine Standardkarriere. Es gibt aber immer wieder
Persönlichkeiten mit unkonventionellen Wegen, welche es bis ganz oben schaffen und dort
auch viel Positives realisieren. Dazu kommt noch, dass sich die Arbeit von
WissenschaftlerInnen in grossen Konzernen und in kleinen Firmen unter Umständen
praktisch nicht unterscheidet - man arbeitet in beiden Fällen in kleineren Gruppen. Dies
spricht dafür, dass es keine derart zentrale Frage ist,
ob man in einem grossen Konzern, oder in einer kleineren Firma einsteigt. Eine interessante
Alternative zur Karriere in Richtung (Wissenschafts-)Management besteht darin, dass man eine hochspezialisierte
Fachkraft ist und bleibt. Dazu gehört dann eine permanente fachliche Weiterbildung.
WissenschaftlerInnen werden immer wieder in Vorstellungsgesprächen von der Frage nach den
Karrierevorstellungen überrascht, weil sie sich bis anhin nicht mit dieser Frage befasst
haben.
- Das Stelleninserat ist genau zu lesen. Falls man ein paar Anforderungen nicht
erfüllt oder leicht andere Ziele vor Augen hat, lohnt sich eventuell eine kurze
Kontaktaufnahme mit der Linie (Fachabteilung) trotzdem. Vielleicht ist die Abteilung derart gross oder der
Rücklauf derart klein, dass sich trotzdem eine Anstellung ergibt.
- Stossen Sie zu einer Gruppe, welche Ihnen etwas bieten kann. Dies muss nicht unbedingt fachlich sein.
Auf keinen Fall sollten Sie mit der Einstellung: "in einer schlechten Gruppe bin ich der Beste/Grösste" auswählen.
Unter einer schlechten Chefin / einem schlechten Chef zu arbeiten ist nicht auszuhalten!
- Schauen Sie, dass Sie ein Geschäft von der Picke aus lernen können. Personen, welche von allem eine Ahnung haben,
sind nicht zu gebrauchen.
- Betrachten Sie Grosskonzerne mit mehreren 10'000 Mitarbeiter/innen nicht als homogenen Block. Es kann sein, dass Sie von
einer Abteilung schlechtes hören und eine andere Abteilung sehr gut ist.
Bemerkung zu Personaldienstleistungsunternehmen (PDU) (Stellenvermittlung, Head Hunter, etc.):
Es gibt ein sehr breites Spektrum von Firmen, welche zwischen den Stellensuchenden und den
suchenden Firmen diverse Dienstleistungen anbieten:
- reine Stellenbörsen, welche nicht selber Personen vermitteln (wir sind eine solche
Firma)
- Vermittler, welche bei konkretem Auftrag für eine bestimmte Firma eine bestimmte Stelle besetzen
- Personaldienstleistungsunternehmen, welche eine ausführliche Karriereplanung anbieten und viele Kontakte haben
- Head Hunter
Die Gründe für den Einsatz von PDU bei der Rekrutierung sind mannigfaltig:
- Die Firma will vielleicht anonym über ein PDU suchen, weil die Konkurrenz sonst wegen der Beschreiung der Stelle und der Anforderungen herausfinden kann, woran gerade gearbeitet wird.
- Es kann sein, dass einE schwierigeR MitarbeiterIn ersetzt werden muss. Um zu verhindern, dass
dieseR MitarbeiterIn in einem Stelleninserat erkennt, dass man ihn/sie ersetzen will, muss die
Firma anonym (über ein PDU) suchen. Dies vor allem dann, wenn der Ersatz die Stelle sofort
nach der Entlassung des/der alten Mitarbeiters/in antreten muss.
- Engpässe in den Personalabteilungen sind in Grosskonzernen derart häufig (vor
allem in der Hochkonjunktur), dass Rekrutierungen an PDU abgegeben werden.
Alle diese Dienstleistungen benötigen eine staatliche Bewilligung
(Arbeitsvermittlungsgesetz). Die Prämien, welche PDU pro Einstellung erhalten, variieren
zwischen 10'000.- und mehr für Hochschulabgänger und gegen 100'000.- und mehr bei
Seniors. Diese hohen Prämien werden heute kritisiert. Auch sind die PDU wegen des Internets und sehr guten und
einfachen Stellenbörsen in Frage gestellt.
Was ist im Umgang mit PDU zu beachten:
- Die Dienstleistung ist laut Gesetz kostenlos, sofern nichts anderes explizit vereinbart wurde.
- Vereinbarungen, dass man keine anderen PDU konsultieren darf (oder selber nicht weiter bei der Stellensuche überhaupt aktiv sein darf), sind laut Gesetz nichtig.
Beachten Sie dazu aber folgende Punkte:
- Über diesen Punkt kann und soll man mit dem PDU offen sprechen und sich dann an die Abmachung halten. Ein PDU hat schliesslich auch einen Aufwand wegen Ihnen.
- Denkbar ist es zum Beispiel, eine Zeitlimite zu vereinbaren ("1 oder 2 Monate mache ich selber nichts und lasse Sie machen").
- Es ist ohne moralischen Unterton zu akzeptieren, wenn ein PDU sagt, dass er nur mit Ihnen zusammenarbeitet, wenn Sie nicht auch noch andere PDU einschalten oder selber suchen.
- Mit dem PDU vereinbaren (und notieren), wohin Dossiers geschickt werden (wegen etwaiger eigener Anstrengungen).
- Bei schlechter Konjunktur lassen Stellenbörsen PDU's kostenlos Stellen schalten. Zum Teil werden dann Stellen
ausgeschrieben, welche gar nicht existieren: die Stellenbörse sieht gut aus und der Name des PDU wird bekannt. Aber es
ist ein schlechter Service für die Arbeitnehmer/innen. Wir machen so was nicht!
- Nach Möglichkeit sollte man sich direkt bei Firmen bewerben.
PDU's, welche bei uns ausschreiben, zahlen immerhin 765 CHF für ein Inserat bei uns (Preis Schweiz). Deshalb kann davon
ausgegangen werden, dass diese tatsächlich an KandidatInnen interessiert sind. Falls jemand mit PDU's,
welche bei uns ausschreiben, schlechte Erfahrungen macht, sollte man uns umgehend informieren! Die von uns empfohlenen
PDU's finden Sie auf dieser Liste.
2. Stelle erhalten (Vorsicht: auf die Schweiz zugeschnitten!)
Die Bewerbungsunterlagen
Bewerbungsunterlagen beinhalten:
- Begleitschreiben (Nebenbemerkung: wenn Matur auf 2. Bildungsweg, dies bereits auch im Begleitschreiben erwähnen, da
sonst das hohe Alter abschreckend wirken kann)
- Lebenslauf (CV) mit Passbild
- Zeugnisse
- Arbeitsbestätigungen von Praktika und allenfalls weitere Arbeitszeugnisse
- Referenzen
Das Begleitschreiben sollte nicht den Eindruck erwecken, dass man dabei einen
Standardbrief nicht mal auf die Firma angepasst hat. Wenn nicht künstlich erzwungen, sollte man
erwähnen, warum man gerade in diesem Unternehmen arbeiten will. Detail: Es ist trotzdem
sinnvoll, auf dem Computer sowohl vom Begleitbrief wie auch vom CV und weiterem eine
Standardversion zu haben, welche man dann an den konkreten Job anpasst. Des weiteren
sollte man genau angeben, welche Stelle gemeint ist (inkl. Kennziffer falls vorhanden) und
wo man von der Ausschreibung
erfahren hat (bei math-jobs.com, tesla-jobs.com, turing-jobs.com oder nobel-jobs.com). Geben Sie an, falls Sie in den kommenden Tagen sicher
abwesend sind (Militär, berufliche Abwesenheiten).
Lebenslauf
- Name, Vorname, Adresse, Telefonnummern (wann via welche Nummer erreichbar), Fax, E-Mail (nur eine E-Mail-Adresse), evtl. persönliche Website
- Persönliche Daten (Geburtsdatum, Zivilstand, Heimatort oder Nationalität (allenfalls mit Ausländerstatus))
- Ausbildung mit Ort und Dauer der jeweiligen Ausbildung und bisherige Berufserfahrung, Praktika mit Arbeitgeber und Aufgabe (in der Schweiz chronologisch, Zeitachse nach unten)
- Informatikkenntnisse
- Sprachkenntnisse
- längere Auslandaufenthalte oben bei "Ausbildung/bisherige Berufserfahrung" klar erwähnen
- Publikationen
- für wissenschaftliche Stellen: ausführlich auf Beiblatt
- für Stellen in der Privatwirtschaft: kurz (auf keinen Fall ausführlich, sonst geht
man davon aus, dass die Person eigentlich an der Hochschule bleiben will und sich in der Praxis
nicht bewähren wird), nur wenn relevant für Stelle oder falls man ein Buch geschrieben
hat
- Sonstige Aktivitäten (Vereinsengagement, auch Sport und Kultur)
- Referenzpersonen
- Passbild hinten mit Namen beschriften (falls es abfällt) und auf CV aufkleben, nicht anklammern
Zeugnisse
- erst ab Mittelschule oder gar Hochschule
- nie Originale einsenden
- Anordnung chronologisch wie im Lebenslauf erwähnt
Als HochschulabsolventIn weiss man eventuell noch nicht, wen man als Referenz angeben
kann. ProfessorInnen, in deren Fächern man gute Leistungen hatte, sind eine erste Referenz (eine Weitere kann aus der Nachbarschaft
kommen oder aus Vereinen, in denen man sich erfolgreich engagiert hat). Auch aus Praktika und Militär
können ebenfalls wichtige Referenzen gewonnen werden. Referenzpersonen sind
selbstverständlich zu fragen, bevor man sie angibt!
Handschriftliches nur dann beilegen, wenn explizit verlangt!
Bewerbung via Eingabe-Maske oder E-Mail:
- Wir sind selber gegen Eingabe-Masken, weil Sie die individuelle Persönlichkeit der
BewerberInnen nicht berücksichtigen und Zeichen von Massenabfertigung sind. Wenn eine Firma
dies jedoch zur ersten Kontaktaufnahme explizit verlangt, muss man sich danach richten.
- Eine andere Sache ist das Einsenden der üblichen Bewerbungsunterlagen via E-Mail. Wir
raten heute (2011, dies könnte sich in Zukunft ändern) von elektronischen Bewerbungen
via E-Mail ab:
- In nicht wenigen Grosskonzernen erhalten Personalverantwortliche pro Tag zwischen 80 und 300
E-Mails. Das sind bei 8 Stunden pro Tag zwischen 10 und 40 pro Stunde, also bis mehr als
eine E-Mail alle 2 Minuten (dabei hat man dann weder Kaffee gemacht, war noch nicht auf dem ..
und hat schon gar nicht in der Linie nachgefragt, ob die Stelle überhaupt noch frei ist,
falls man in dieser kurzen Zeit überhaupt das Dossier mit der Stelle gefunden hat, von
Interviews durchgeführt ganz zu schweigen). Das
Problem liegt darin, dass viele grosse Konzerne nicht genug MitarbeiterInnen für diesen
wichtigen Bereich einstellen.
- Konventionelle Bewerbungsunterlagen sind Ihre Visitenkarte und werden nicht so schnell
weggeworfen wie E-Mails getrasht werden.
Eine andere Sache ist es mit kurzen Anfragen an die Personalabteilung wie "Ist diese Stelle noch
offen?" (falls bereits 2 Monate auf dem Web) oder an den Linienvorgesetzten wie "habe erst ein
halbes Jahr Berufserfahrung, es werden aber 2 verlangt; macht es Sinn, sich trotzdem zu
bewerben?" (Dies kann je nach Lage des Arbeitsmarktes sehr wohl der Fall sein, zudem werden vielleicht
auch weitere Personen gesucht). Dann kann ein E-Mail durchaus sinnvoll sein. Es sind bei einem E-Mail
folgende Punkte zu beachten (Dies gilt auch für den Fall, dass man sich doch via E-Mail bewerben
möchte oder die Firma dies ausdrücklich verlangt):
- "Es ist ja nur ein E-Mail" ist keine Entschuldigung für Schreibfehler und schlechten Stil
- keine Umlaute, dafür "ae", "oe" und "ue" in der Mail selber
- keine anderen Sonderzeichen (ausser "@")
- kein Einrücken
- kein Fett
- "Subject"-Zeile mit Jobbezeichnung inklusive Referenznummer und Quelle der Ausschreibung (math-jobs.com, tesla-jobs.com, turing-jobs.com oder nobel-jobs.com)
- keine durchgehende kleinschreibung. das kommt nicht gut an.
- kein Kursiv
- keine Farben
- keine verschiedenen Grössen
- keine verschiedenen Schriftarten
- überhaupt keine Spezialeffekte (werden eventuell von Empfängermedium technisch nicht unterstützt oder geben ein unerwartetes Resultat)
- einziges Gestaltungselement ist "neue Zeile", "eine Leerzeile", "zwei Leerzeilen"
- Attachments:
- zentrale Informationen allenfalls auch im E-Mail selber, v.a. Kontaktinformationen; gehen Sie immer davon aus, dass das Attachment nicht geöffnet werden kann!
- Wenn man sich komplett via E-Mail mit Attachments bewirbt, so ist das E-Mail nicht Ersatz des Begleitschreibens. Dieses sollte die erste Seite im Word- oder pdf-Dokument sein.
- Wenn möglich, sollte man alles in einem einzigen Dokument als Attachment verschicken.
Weitere wichtige Details bzgl. Web und E-Mail:
- Wenn man in einem Brief (also kein E-Mail) seine Website angeben will (falls vorhanden), so
schreibt man: "Web: www.domainname.ch" und nicht "Web: http://www.domainname.ch". Das Weglassen
von "http://" in einem Brief hat ästhetische Gründe.
- In einem E-Mail sollte man aber immer http://www.domainname.ch schreiben, da manche
E-Mail-Programme so konzipiert sind, dass sie erst auf das "http://" ansprechen und beim
draufklicken direkt die Website im Web geöffnet wird (falls es beim Empfänger verbunden
ist). Wichtiger Tip dazu: in einem E-Mail die Webadressen immer "freischwebend" machen, damit sie
wirklich erkannt werden. Unter freischwebend verstehen wir, dass nicht direkt anschliessend oder
vorher irgendwelche Zeichen kommen. Konkret: Leerschlag, dann http://www.domainname.ch und dann
Leerschlag und dann weiter (ev. sogar mit Punkt am Schluss eines Satzes oder Punkt ganz
weglassen). Richtige Beispiele: "Auf http://www.domainname.ch finden Sie alle weiteren Angaben
über das Projekt." oder "Weitere Informationen auf http://www.domainname.ch . Im
weiteren..." oder gar "Weitere Informationen auf http://www.domainname.ch Im weiteren...". Bei
letztem Beispiel darf dahingehend beruhigt werden, dass die Webadresse meist farbig ankommt und
sich deutlich vom Text abhebt (probieren Sie es selber aus mit einem Mail an sich!). Damit merkt
man schon, dass danach ein neuer Satz beginnt.
- Ob man in einem E-Mail E-Mail-Adressen mit mailto:abc@domainname.ch angeben sollte oder nicht
(das "mailto:" ist analog zum "http://" weiter oben) ist umstritten. Wir machen es nicht!
- Nie (weder in Brief noch E-Mail) sollte man schreiben: "Internet: http://...". Das
Internet besteht aus Web, E-Mail, ftp und weiteren Diensten. Richtig ist: "Web: www." (in Brief)
oder "Web: http://www." (in einer E-Mail).
Falls innert 3 Wochen keine Reaktion erfolgt, via E-Mail nachfragen, ob Bewerbung erhalten.
Selbstverständlich alles fehlerfrei, A-Post, kein Umweltpapier!
Detail 1: Die obigen (A4-)Unterlagen werden am besten gelocht und in einem sauberes
Heftmäppchen mit Klammer eingesandt (nicht gefaltet). Das Couvert, in dem
man die Bewerbungsunterlagen schickt, darf man ruhig (sauber und schön) von Hand
anschreiben.
Detail 2: Am besten nimmt man sich pro Bewerbung einen ganzen Tag Zeit und lässt die
Bewerbungsunterlagen komplett fertig einen Tag lang liegen. Vielleicht fällt einem noch was ein.
Es ist weiter ratsam, die Bewerbungsunterlagen von einer anderen Person lesen zu lassen, bevor
man sie abschickt.
Das Bewerbungsgespräch
Man sollte sich auf jeden Fall mindestens derart auf das Bewerbungsgespräch
vorbereiten, dass man Informationen (Produkte, Dienstleistungen, Branche, Konkurrenten,
von welcher Geschäftseinheit kommen die Gewinne, internationale Ausrichtung, Image in der
Öffentlichkeit, Besitzverhältnisse, Organisation) über die Firma einholt. Dazu dient Website und
Geschäftsbericht der Firma,
Wirtschaftsnachrichten sowie Suche im WWW. Dann sollte man sich Klarheit darüber verschaffen,
was man der Firma bringt. Versetzen Sie sich dazu in die Lage des Abteilungsleiters.
Die Gesprächspartner in der Firma sind in der Regel die zuständige Person in der
Personalabteilung und der/die Linienvorgesetzte. Es gibt normalerweise bis zu einer Einstellung
zwei bis drei Interviews. Im ersten Interview geht es um eine Vorselektion, meist durch die
Personalabteilung. Mit den Personalverantwortlichen sollte man nicht über Wissenschaft
sprechen! Von der Sache her wird es inhaltlich in den Gesprächen in der Regel um folgende
Punkte gehen:
- Inhaltliche Herausforderung
- Können Sie intellektuell und von der Leistungsfähigkeit genügen?
- Haben Sie auch die Leistungsbereitschaft und Motivation, Neigung?
- Passen Sie ins soziale Umfeld der Abteilung?
- Weiterbildungsmöglichkeiten
- Lebenssituation
- geographischer Standort
- Lohn/Zusatzleistungen
- Wie geht es jetzt weiter?
Lohnverhandlung erst am Schluss, immer Jahreslohn besprechen, zur Orientierung (für
HochschulabsolventInnen in Mathematik Platz Zürich und Basel, nicht für andere
HochschulabsolventInnen), alle Sonderleistungen inbegriffen:
- Diplom = 90'000.- (PK-ExpertInnen eher weniger, da man am Anfang viel in die Ausbildung investieren muss)
- Doktor = 100'000.-
- Diplomarbeit oder Doktorarbeit in relevantem Gebiet (z.B. Finanzmathematik) bis zu 20'000.- mehr
- Auslandaufenthalte und Sprachen können den Einstiegslohn weiter steigern
- Industrie 10'000.- weniger (fragen Sie uns bitte nicht warum!)
Die Luchsinger Matheamtics AG hat 2004 eine Lohnumfrage Aktuare im Raum Zürich und Basel
durchgeführt. Sie können als Einzelperson oder Firma für Ihr Dossier eine unverbindliche Empfehlung für
300.- von uns anfordern. Gehen Sie dazu bitte auf diese Site.
- Es ist in der Theorie allgemein akzeptiert, dass von der Bewerberseite her die folgenden Determinanten einen
Einfluss auf
den Anfangslohn haben (innert einer gewissen Bandbreite): Hochschule, Studiendauer, Diplomarbeitsthema, Abschlussnote,
Spezialisierungsrichtung, Promotion, Lehre/Praktikum, Fremdsprachen, EDV-Kenntnisse, Zusatzausbildung, Auslandaufenthalte,
Erscheinungsbild/Auftreten. Abgesehen vom letzten Punkt machen wir aber die Beobachtung, dass diese Determinanten kaum gross
in Erscheinung treten. Von Ihrer Seite, also als Bewerber, achten Sie bezüglich des Angebots der Firma auf Position, Konkurrenz der Bewerber, Funktionsbereich,
Branche, Grösse der Firma, Konzernabhängigkeit und Firmensitz, Firmenimage, Aufstiegschancen, Personalentwicklung,
Ertragslage.
- Und wie sieht die Lohnentwicklung in den Jahren nach dem Berufsstart aus? Sie
müssen (bei guter Arbeit und gesteigerten Fähigkeiten) eine Lohnerhöhung
verlangen. Einmal (!) im Jahr (Ende oder Anfang Jahr je nach Firma) soll über
den Lohn gestritten werden. Dann nicht mehr für ein Jahr. Dann herrscht wieder
Freude, Harmonie und Eintracht.
Wenn Sie weniger Lohn fordern, als der Markt hergibt, dann profitiert nicht der Portier, nicht
der Bauarbeiter, nicht die Kioskfrau oder die Verkäuferin, sondern der Kapitalgeber, die
Aktionäre, die Shareholder.
Konkret werden meist Fragen der folgenden Art gestellt, welche man sich vorher in Ruhe ehrlich
beantworten sollte (diese ehrliche Antwort sollte man im Normalfall dann auch geben):
- Weshalb sieht man sich in diesem Unternehmen, in einem Grossunternehmen?
- Welche Ziele hat man im Leben und in der Firma?
- Liebt man eher Teamarbeit oder ist man Einzelkämpfer (dabei ist Einzelkämpfer hier
nicht mit asozial gleichgesetzt oder überhaupt negativ gemeint, je nachdem will man eineN EinzelkämpferIn)
- Wie stelle ich mir meineN VorgesetzteN vor? Was wünsche ich mir (patronal, kollegial, offene Tür oder via Sekretärin anmelden)
- Ist Ihnen etwas gelungen, worauf Sie sehr stolz sind?
- Frage an Frau: "Haben Sie vor, Kinder zu kriegen?" - Antwort: "Irgendwann vielleicht schon, es ist jetzt aber kein Thema!"
- 2 heikle Fragen an Mann:
- "Spielen Sie Schach?" - Antwort: "Nein",
- "Haben Sie eine Freundin?" - Antwort: "Ja".
Im weiteren sollte man folgende Fragen stellen, falls im Verlauf des Gesprächs nicht
beantwortet:
- Wie wird man eingearbeitet?
- Wie sieht ein "normaler" Arbeitstag aus (falls in wissenschaftlichem Bereich tätig: wie
viel ist Routine, wieviel herausfordernde geistige Tätigkeit)?
- Welche Mittel werden Ihnen für die Erreichung der Ziele zur Verfügung gestellt?
- Wie viele Mitarbeiter sind zu führen?
- Was geschah mit dem vorherigen Stelleninhaber?
- Wie sind die Arbeitszeiten geregelt (Jahresarbeitszeit, Wochenarbeitszeit)?
- Wieviel Reisetätigkeit ist mit der Arbeit verbunden?
- Auslandaufenthalte?
- Wieviel Unterstützung kann man bei der Weiterbildung erwarten (freie Zeit dazu)?
Wichtige weitere Details:
- Falls man krank ist, das Bewerbungsgespräch auf jeden Fall absagen!
- pünktlich (das heisst genau 5 Minuten zu früh)
- Selbstverständlich erscheint man als Mann im Anzug mit Krawatte oder Fliege, als Frau
gepflegt. Kein Kaugummi, keine Zigarette (auch keine Zigarre, Zigarillos, Pfeife)
- Augenkontakt mit den Interviewern
- Wir empfehlen, dass man nicht versucht, jemand anders zu sein (weder Hoch- noch Tiefstapler)
und auch offen über Schwächen spricht, aber keinen "Seelenstriptease" veranstaltet.
Schwächen können korrigiert werden, wenn man sie kennt und darüber spricht.
- Ein Gang durch die Büros, in denen man danach arbeiten soll, ist normalerweise
vorgesehen. Sonst kann man darum bitten. Achten Sie auf die Stimmung; können Sie sich
vorstellen, dort zu arbeiten?
- Können der/die Vorgesetzte oder andere MitarbeiterInnen Ihnen für die weitere
Entwicklung etwas bieten oder ist man sehr schnell auf sich selber gestellt (dies muss nicht
schlecht sein, wenn man etwas daraus zu machen weiss!)
Wichtiger Tip: Sie werden sich eventuell bei zahlreichen Firmen bewerben, vielleicht sogar an
mehreren Stellen in der gleichen Firma. Sie sollten sich dann einen (oder mehrere) Ordner anlegen mit
Unterteilungen und pro Stelle ein Fach wählen und alle Dokumente dort ablegen (auch Kopien
der eingesandten Dokumente). Nach jedem Gespräch (auch Telefongespräch oder E-Mail)
sollte man Protokoll führen. Sie haben eventuell mit so vielen Personen zu tun, dass Sie am
Schluss nicht mehr wissen, wer was gesagt hat - DAS IST KEIN WITZ UND SEHR ERNST ZU NEHMEN.
Und wenn eine Absage kommt? Über den psychischen Umgang mit Absagen wollen wir hier nicht
schreiben (wichtiges Thema aber zu individuell). Hingegen sei darauf aufmerksam gemacht, dass bei
einer Binomialverteilung der Erwartungswert gleich np ist. Wenn p die Erfolgswahrscheinlichkeit
ist, so muss man n erhöhen, um die Wahrscheinlichkeit einer Anstellung zu steigern oder gar
die Auswahl von Angeboten zu vergrössern. Das ist zwar ein bisschen simpel, zudem sind die
Ereignisse nicht unabhängig voneinander. Aber es stimmt halt trotzdem: auf viele Stellen
bewerben, welche in Frage kommen! (man kann auch p erhöhen...)
Sollte man sich nochmals bewerben, wenn man eine Absage bekommt und die Firma sucht ein halbes
Jahr danach wieder mit praktisch demselben Inserat nach KandidatInnen? Hier muss man zwei
Situationen unterscheiden:
- Wenn die Firma massenhaft MathematikerInnen sucht und eine einzige Person im Personalbereich
zuständig ist und den Überblick hat (das ist nicht selbstverständlich!)
und man ist abgelehnt worden, so ist man wohl bei allen möglichen Abteilungen nicht gefragt.
Dann sollte man sich nicht gleich wieder bei der Firma bewerben.
- Wenn eine Firma aber ein Inserat mit präzisem Inhalt veröffentlicht hat und dann
ein halbes Jahr später ein anderes Inserat schaltet, so kann man sich sicher wieder
bewerben. Dies vor allem dann, wenn vor einem halben Jahr nur die eine Stelle offen war oder
falls die Ansprechperson im Personalbereich und/oder die Abteilung die sucht gewechselt hat.
Ein Ausweg aus dieser Situation ist folgender: Firmen dürfen die Bewerbungsunterlagen von
Gesetzes wegen nicht aufbewahren. Wenn man es Ihnen aber schriftlich erlaubt, kann die
Firma die Unterlagen bereithalten, falls doch eine passende Stelle frei wird. Man kann die
Personalverantwortlichen auch auf diesen Punkt ansprechen.
Bei exzellenter Stellensituation soll man bitte nicht nach dem Motto:
"Hier bin ich - gefragt wie noch nie, jetzt bemüht Euch um mich!"
den Firmen gegenübertreten.
Seien Sie sich bewusst: Am Schluss kommt es darauf an, dass Sie sich auch wohl fühlen in der
Firma. Sie sollten also am Schluss mit dem Herzen und nicht nur mit dem Verstand oder gar
Geldbeutel entscheiden.
3. Stelle behalten
Falls man die Stelle durch ein Personaldienstleistungsunternehmen erhalten hat, ist es
selbstverständlich, dass man nach Antritt der Stelle falls notwendig eine weitere Betreuung
erwarten darf. Bei Problemen, vor allem beim Berufseinstieg, kann ein Gespräch mit den
Stellenvermittlern auf Grund derer Erfahrung viel weiterhelfen.
Webmaster: Dr. Christof Luchsinger / jobs@math-jobs.com / Member of the Luchsinger Mathematics AG